
Fernseh-Trödel-King Roland Beuge in Tangermünde im Einsatz
Milchkannen und Nachttöpfe sind der Renner
Mit Trödel werden Träume wahr. Die Sammelleidenschaft von
Christian und Armin Schulz aus Tangermünde hat das jetzt möglich gemacht. Sie verkauften mit Hilfe des Trödel-Kings aus dem WDR-Fernsehen, Roland Beuge, etliche ihrer Sammlerstücke. Mit dem Erlös finanzierten sie eine Anlage zur Likörherstellung. Für deren Besitzerin Eleonore Kithier aus der Oberpfalz ist es ein weiterer Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.Von Anke Hoffmeister
Wird das Geschäft gelingen? Mit einem Gefühl von Anspannung und Neugier, Erwartung und Zuversicht öffnen Christian und Armin Schulz am Sonnabendmorgen die Tore zum Neumannschen Hof. Sie sind verblüfft. Hunderte Trödel-Fans haben auf diesen Moment gewartet. Ihre Jagd beginnt. Roland Beuge - Kenner dieser Branche - kennt dieses Bild. Als Trödel-King bekannt geworden, weiß er, was wieviel wert ist und vor allem, wie die Trödel-Fans ticken. Auf dieses Wissen griffen in den vergangenen Wochen gleich zwei Familien zurück: Familie Schulz aus Tangermünde und Familie Kithier aus Weiden in der Oberpfalz. Christian und Armin Schulz betreiben in Tangermünde das Hotel Alte Brauerei. Seit 2002 führen Sohn und Vater hier Regie, sind seit 2010 Eigentümer des gesamten Komplexes. Alte Brauerei heißt das Haus schon seit seiner Eröffnung. Doch gebraut wird hier seit fast 100 Jahren nicht mehr. Das soll sich ändern. Die Schulzes haben Pläne. Sie wollen in einem ungenutzten Hofteil Bier brauen, mit Erlebnisgastronomie locken. Die Bauarbeiten dazu haben bereits begonnen.
„Plötzlich entdeckt jemand diesen uralten Toaster"
Bislang holten Vater und Sohn nicht nur mit Musikabenden Menschen in die Stadt. Sie haben auch ihr Privatmuseum „Zeitzeug am Eulenturm" eingerichtet. Wer hier eintritt, fühlt sich zurückversetzt in vergangene Zeiten, findet Dinge aus Kindheit und Jugend wieder. „Plötzlich entdeckt jemand diesen uralten Toaster aus DDR-Zeiten, und jeder hat dazu eine Geschichte: Zur Hochzeit geschenkt bekommen - 30 Jahre hat er funktioniert - darauf haben wir unser erstes Toast Hawaii gemacht - daran erinnern sich die Leute", erzählt Christian Schulz.
Die Schulzes sammeln seit 1994 all die Dinge, die das Leben in den vergangenen 200 Jahren begleiteten. „Unsere Scheune in Gladigau ist voll. Wir mussten unbedingt mal aufräumen", sagt Armin Schulz. Sein Sohn knüpfte den Kontakt zum Trödel-King Roland Beuge. Der kam, schaute sich um und erfuhr zugleich, dass Vater und Sohn Visionen haben - Erlebnisgastronomie bieten wollen.
Im Oberpfälzischen Weiden stellte Eleonore Kithier Likör her. Bis zuletzt hatte ihre Mutter mitgearbeitet. Sie ist vor zwei Jahren gestorben. „Dieses Geschäft war ihr Leben", berichtet Eleonore Kithier. Mit Tochter Tanja hatte sie das Unternehmen geleitet. Vor anderthalb Jahren schlössen sie die Fabrik. Um das Unternehmen mit dem dazugehörigen Mehrgenerationenhaus verkaufen zu können, musste aufgeräumt werden. Die Oberpfälzerin schrieb eine E-Mail an den Trödelking. Roland Beuge suchte die stillgelegte Likör-Fabrik auf. „Er hat uns gefragt, ob wir Interesse an einer solchen Anlage hätten", erinnert sich die Tangermünder Familie Schulz. Ihr „Ja" genügt dem Trödel-Kenner. Per Spedition kam die „Likör-Quelle" von Bayern nach Tangermünde. „Sonntags 8 Uhr stand ein Lkw vor dem Tor", erzählt der junge Hotel - Chef. „Die Ladung war für uns bestimmt, aber was war in den Kisten?" Christian Schulz blieb ahnungslos. Denn die Anlage wurde erst kurze Zeit später von Roland Beuge und dessen Team selbst abgeladen und in der Museumsscheune aufgebaut. Dann der Überraschungseffekt: Vor laufender Kamera dürfen Vater und Sohn das Geheimnis für sich entdecken. Sie sind beeindruckt. Doch ganz umsonst gibt es die Liköranlage nicht. 5000 Euro möchte Eleonore Kithier dafür haben. Woher nehmen? Alle verfügbaren Mittel fließen derzeit in den Brauerei-Ausbau. Der Trödel-King hat eine Idee. In der Gladigauer Scheune lagern um die 50000 Sammlerstücke. Sie sollen unter den Hammer. „Natürlich nicht alle", so Christian Schulz. Allerdings lassen Vater und Sohn dem Kenner viel Spielraum. Gemeinsam treffen sie eine Auswahl für den Trödelmarkt in Tangermünde. Spielzeug, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge, technische Dinge, Geschirr, sogar Wäsche ist zu haben. „Als erstes waren die Milchkannen und Nachttöpfe weg", wundert sich Armin Schulz. „Oh, ein alter Brummkreisel", freut sich Annegret Schulz aus Hämerten. „Aber - aber der brummt ja gar nicht mehr", stellt sie enttäuscht fest. Direkt daneben steht eine Holzkiste mit Bilderwürfeln. „Damit lassen sich Märchenbilder zusammenlegen", . freut sie sich. Weg ist die Enttäuschung. Waltraud Stutzer aus Tangerhütte hat ein Holzauto entdeckt. Die Ladefläche lässt sich ankippen und feststellen. „Damit haben unsere Kinder früher besonders gern gespielt", erinnert sie sich. Auf einem runden Holztisch sind Hand-Kaffeemühlen aufgereiht. „Ich dachte eigentlich, die sind zu allererst weg, ebenso die Gewürzdosen aus Porzellan", wundert sich Christian Schulz. Doch die Besucher dieses Trödelmarktes tragen alte Gartenstühle im Doppelpack nach Hause, nehmen verschnörkelte Lampen oder alte Wäsche mit. Annegret Schulz hat Nippes aus weiß-blauem Porzellan entdeckt. „Für zehn Euro pack ich es Ihnen sogar ein", bietet der Trödel-King an, als er nach dem Preis gefragt wird. Der Interessent eines Wagenrades aus Holz kann sich nicht mit Roland Beuge einigen. Acht Euro möchte der haben, vier würde der junge Mann geben. Er stellt das Rad wieder zurück. Nach und nach wird das Sammelgut aus der Gladigauer Scheune immer weniger. Christian und Armin Schulz sind nur Beobachter. „Hier führt der Trödel-King Regie." Zwar hätten sie sich vorab abgesprochen, was für wieviel an den Mann oder die Frau gebracht werden könne. Doch am Ende liegt es im Ermessen des Experten, für wieviel Geld er die Dinge abgibt. Ziel sind die 5000 Euro. „Und das sieht gar nicht so schlecht aus", verrät Roland Beuge gegen Mittag. Für Vater und Sohn bleibt das allerdings bis zum Sonntag streng geheim. Derweil hat das Team um den Trödel-King eine Überraschung vorbereitet. Zeit zum Kennenlernen steht auf dem Programmplan. Eleonore Kithier und Tochter Tanja sind in Tangermünde angekommen. Davon wissen Armin und Christian Schulz aber nichts. Freundlich und zugleich überrascht ist die Begrüßung. „Ich bin die Elli", sagt die Noch-Besitzerin der Liköranlage. Und sofort wird gefachsimpelt. Fragen über Fragen haben Vater und Sohn. Mutter und Tochter sind hingegen überwältigt von den Eindrücken, wussten bis vor wenigen Minuten auch gar nicht, dass dieser Trödelmarkt veranstaltet wird, um das Geld für die Liköranlage zusammenzubekommen.
„Eine Erleichterung. Ich fange ein neues Leben an."
„Ich bin froh, dass die Anlage hier weiterarbeiten wird", sagt die Weidenerin. Und sie ist dankbar, dass Roland Beuge sich ihrer Geschichte angenommen hat. Dinge aus einem Haus, in dem fünf Generationen lebten, hat er gesichtet und jetzt größtenteils an den Mann gebracht. Der Abschied fiel Eleonore Kithier nicht immer leicht. „Doch heute ist es eine Erleichterung. Ich fange ein neues Leben an", sagt sie. Für die Hotel-Besitzer aus Tangermünde beginnt ebenfalls ein neues Kapitel. Neben der geplanten Brauerei gleich neben dem Hotel, werden sie noch viel eher mit der Herstellung von Likören beginnen. Alle Hebel sind dafür in Bewegung gesetzt. Das Geld für den Erwerb der Anlage spielte der Verkauf des Sammlergutes aus Gladigau am Sonnabend ein. Zur Tangermünder Vollmond-Nacht am 15. Juli wird noch einmal all das auf dem Museumshof angeboten, was bisher keinen neuen Besitzer fand.

Heute eine Rarität: luftbereifte Roller Christian (links) und Armin Schulz bewerten mit Trödel-King Kaffeemühlen en gros - aber der Renner waren sie nicht.
Roland Beuge (Mitte)
Spielsachen aus DDR-Zeiten.
Fotos: Anke Hoffmeister
Ohne Elbpark wird ein Stück Stadt fehlen
Um den Elbpark in Tangermünde kreisen derzeit viele Gerüchte. Wird es den Saal auch weiterhin geben? Können Karneval, Abiball und Jugendweihe auch in Zukunft hier gefeiert werden?Der Name Elbpark ist weit über die Grenzen der Stadt Tangermünde hinaus bekannt. Generationen feierten und tanzten hier. Jetzt scheint es vorbei mit der Tradition. Das große Objekt mit Saal und Garten hoch über der Elbe wurde verkauft. Während es Pläne gibt, im Garten Eigentumswohnungen zu errichten, sind die Ideen des neuen Eigentümers für das Haus an der Straße und den Saal noch unbekannt. Die Situation ist für viele Tangermünder unbefriedigend. Hartmut Thomas, Vorsitzender des Tangermünder Carnevalvereins (TCV), weiß beispielsweise nicht, ob die Prunksitzungen im Februar noch im Elbpark stattfinden dürfen. Eine Zu- oder Absage hat er nicht. Klaus Nikoleit, Ehrenpräsident des TCV, ist von Beginn an mit dem Tangermünder Narrenvolk verbunden. Er erinnert sich an die ersten Veranstaltungen im Elbpark, berichtet von Sportlerbällen, Feiern zum Tag des Chemiearbeiters. Auch die Konsü und die Angler, Binnenreederei und viele andere große Betriebe der Stadt hätten hier früher gefeiert. In der jüngeren. Vergangenheit waren es die Jugendweihen und Abibälle, die hier ihren Platz fanden. „Ich habe hier praktisch meine Jugend verbracht", erinnert sich Jeannette Jachmann, vielen Tangermündern als DJ Jachi bekannt. Jeden Sonnabend war Disko, sonntags spielten hier am Nachmittag Bands. „Da war die Pausenmusik immer toll", berichtet sie. „Schon als Kind habe ich hier auf der Bühne gestanden", werden Erinnerungen wach. „Gibt es den Elbpark nicht mehr, dann fehlt einfach ein Stück Tangermünde", bringt sie es auf den Punkt. Zu DDR-Zeiten war jeder froh, wenn er es geschafft hatte, sich am Einlass vorbei in den Elbpark zu drängeln. Lange Schlangen, ewiges Warten seien normal gewesen. „Es ging nur schubweise vorwärts und wenn man drin war, dann konnte man an manchen Stellen die Füße vom Boden nehmen und fiel trotzdem nicht runter", beschreibt Jeannette Jachmann die längst vergangenen Zeiten. „Was für die Tangermünder der Elbpark war, das war für die Stendaler der Waldfrieden." Sechs Jahre lang machte DJ Jachi im Elbpark Musik. „Hier als DJ einen Termin zu bekommen, war das Größte", sagt sie. Mitte der 90er Jahre wandelte sich das Bild. Andere Diskotheken öffneten ihre Türen, die Jugend wurde mobiler, im Elbpark wurde es leerer. Erst mit den Hip-Hop-Partys kam wieder Schwung in das Haus an der Hünerdorfer Straße. „Da war der Saal wieder voll", berichtet die Tangermünderin. Generationen haben auf dem Parkett des Elbpark getanzt, Zeit zum Entspannen im großen Garten mit Blick auf die Elbe gefunden. Ob der Saal mit jeder Menge Charme aus DDR-Zeiten nun endgültig ausgedient hat und abgerissen wird, ist ungewiss. Fest steht: Es gibt einige Menschen, die dagegen mobilmachen möchten.

Der Elbpark in der Hünerdorfer Straße.
Ein großes
Objekt mit Saal und wunderschönem Garten hoch über der Elbe, das
jetzt vor Veränderungen steht.
Die Kaiser- und Hansestadt Tangermünde ist um
eine Attraktion reicher. Die Exempel-Schlafstuben mit einem Cafe im
Erdgeschoss und einem integrierten Geschäft - dem artificium - sind hier
in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Direkt im Herzen der
mittelalterlichen Stadt, am Fuße der St. Stephanskirche, steht für
Touristen und Einheimische ein weiteres Schmuckstück. Die Erlebenswert
GbR, dahinter stehen Tiemo und Stine Schönwald, haben dieses
unverwechselbare Projekt in die Tat umgesetzt.
An einem Standort von Tangermünde, an dem vor wenigen Monaten noch
ein baufälliges und sehr windschiefes Fachwerkhaus stand, ist in den
vergangenen zwei Jahren ein Hotel entstanden, in dem 18 Zimmer ihren
Platz gefunden haben. Doch nicht ganz normale oder gar hypermoderne
Zimmer. In den Exempel-Schlafstuben kommen all jene Gäste auf ihre
Kosten, die das Besondere, das Einmalige beziehungsweise
Unverwechselbare suchen. Wer hier eincheckt, der begibt sich auf eine
Zeitreise in die Geschichte der Stadt. Denn jedes Zimmer ist einer
Person gewidmet, die eng mit Tangermünde verbunden war. Grete Minde,
Käptn Kolle, Fontane, die Jungfrau Lorenz, Kaiser Karl
IV., Prinzessin Feodora und einige andere standen Pate, als Tiemo
Schönwald seine Pläne für die Schlafstuben schmiedete. Und jedes
Hotelzimmer ist deshalb ein Erlebnis für sich. Mal geht es durch den Kleiderschrank ins Bad. An anderer Stelle ist
die Toilette zu einem Holzthron verwandelt worden. Badezuber stehen für
ein Bad bereit. Sogar auf Feldbetten darf geschlafen werden. Im Reich
der Feodora sind die Badfliesen gelb wie die Verpackung der
gleichnamigen Schokolade und haben sogar deren Schriftzug. Ein Hirsch
steht im Appartement der Jungfrau Lorenz. Hin und wieder ist sogar die
freistehende Badewanne Teil des Hotelzimmers. Mit viel Liebe zum Detail; und einem unglaublichen Einfallsreichtum
ist auf dem Grundstück Lange Straße/ Kirchstraße ein Hotel entstanden,
das erlebenswert ist - von innen wie von außen. Holz, Backstein, Glas
und Beton sind bei diesem Projekt miteinander kombiniert werden,
Historisches mit Modernem zu einer Einheit verschmolzen. Die
Erlebenswert GbR betreibt künftig 38 Hotelzimmer. Denn neben den 18
Schlafstuben werden seit einigen Monaten auch die Zimmer der
Altstadtpension, schräg gegenüber der Exempel-Gaststuben und
-Schlafstuben, von diesem Unternehmen betrieben. In den nächsten Tagen und Wochen werden die neuen Hotelzimmer ihren
letzten Schliff erhalten und an bereits wartende Hotelgäste vergeben
werden. Schon in Betrieb sind seit wenigen Tagen das Cafe im Erdgeschoss
des neuen Hauses und das artificium - ein Geschäft, mit dem vor Jahren
an diesem Standort alles begann. Ramona Schönwald hatte es in dem
schiefen Fachwerkhaus eröffnet, darin Holzspielzeug, Spiele,
Holzartikel, Dekorationsideen und jede Menge außergewöhnliche Dinge für
Kunden zusammengestellt. Jetzt ist das aritificium wieder an der selben
Stelle zu finden -mit den gleichen Produkten im neuen Ambiente und ab sofort auch mit dem
Angebot an aktueller Mode. Wer nach einem besonderen Geschenk Ausschau
hält, ist hier nach wie vor an der richtigen Adresse. Das Cafe - für das es bislang noch keinen Namen gibt - ist direkt
durch das artificium oder auch über den gläsernen Eckeingang zu
erreichen. Holzfliesen am Boden, Holzsäulen und Glas im Eingangsbereich,
stützende Pfeiler im Raum aus Beton mit Holz oder Lampen verkleidet
sowie Stühle und Tische mit außergewöhnlichen Beinen sind nur einige
Details, die an dieser Stelle sehens- und erlebenswert sind. Hell und
freundlich, dabei doch gemütlich und völlig anders als alle bisher in
der Stadt gebotene Gastronomie präsentiert sich dieses Cafe. Und: Wie in
den Exempel-Gaststuben und der Zecherei St. Nikolai am Neustädter Tor
gibt es auch hier das Tangermünder Kuhschwanzbier - ein Produkt des
Schönwald-Unternehmens.
Tangermünde.
12. Juli 2010
Meyer-Nachfahre Klaus Hoffmann schenkt der Stadt ein Buch aus dem
Jahr 1729
"300 Jahre Geschichte der Stadt sind nun in den
besten Händen"
Grund zum Feiern gab es am Freitag in
Tangermünde. An diesem Tag feierte Klaus Hoffmann, Nachkomme der
Familie Meyer, die einst die Zuckerraffinerie in Tangermünde
betrieb, seinen 75. Geburtstag. Zu seinem Jubiläum übergab er an die
Stadt das Buch „Antiquitates Tangermundenses". Es wurde im Jahr 1729
gedruckt und stammt aus dem Bücherregal seiner Mutter. Sigrid
Brückner, Leiterin des Stadtarchivs, nahm das Buch dankend entgegen.
Von Dirk Andres
Brückner legt Buch dem Restaurator vor
„Ich habe ein ähnliches Buch aus dem Jahr 1726, doch dieses enthält noch einige neue Details und ist eine wichtige Grundlage für die Geschichtsforschung", sagte Brückner. So enthält das Buch ein Kapitel von Kaspar Helmreich. Er war einst Bürgermeister der Stadt und hat das Thema Grete Minde grundlegend beleuchtet. Ein weiterer Teil des Buches wurde von Andreas Rittner verfasst und handelt vom 30-jährigen Krieg. Im dritten Kapitel werden Denkwürdigkeiten von Küster beschrieben. „Über 300 Jahre Geschichte der Stadt sind nun in den besten Händen", sagte Hoffmann. „Ich werde es recht bald dem Restaurator vorlegen und wir werden den Signierungen auf den Grund gehen", versicherte Brückner. Klaus Hoffmann war zufrieden, sein Geschenk hat die richtige Adresse gefunden und er konnte mit Freunden seinen Geburtstag auf dem Schiff Störtebeker feiern. Er kehrt gern in die Stadt seiner Kindheit zurück. Schlechte Erinnerungen bis an das Ende des Krieges hat Hoffmann nicht. „Wir hatten ein unbeschwertes Leben hier", sagte er. Bis heute kann er jedoch nicht verstehen, warum seine Eltern im Jahr 1948 die Stadt verlassen mussten. „Sie hatten doch nichts Unrechtes getan", sagte er. Doch das neue Regime war da anderer Meinung. „Meine Eltern durften hier nicht mehr sein, weil meine Mutter eine Meyer war", erzählte der 75-Jährige. So gingen sie 1948 über die grüne Grenze in den Westen. Nach Hamburg ging es weiter nach Dortmund. Dort gingen Klaus Hoffmann und seine Geschwister zur Schule. Nach seinem Architekturstudium zog Hoffmann noch mehrmals um: Seit 36 Jahren ist er jedoch in Ludwigsburg bei Stuttgart zu Hause.
Fabrikchefs Meyer müssen hinter Gitter
Wesentlich schlechter erging es seinen beiden Onkeln Friedrich-Theodor und Walter. „Als die Briten 1945 die Stadt vor dem Einmarsch der Russen verlassen wollten, boten sie beiden an, sie mitzunehmen. Doch meine Onkel wollten ihr Familienerbe nicht aufgeben", erzählte Hoffmann. Leider sollten die Briten recht behalten. Die neue Besatzungsmacht sperrte die Fabrikbesitzer ein. „Walter starb, Friedrich-Theodor wurde jedoch nach drei Jahren entlassen. Schließlich war ihm nichts vorzuwerfen", so der Jubilar. Natürlich hätten auch in der Tangermünder Fabrik Fremdarbeiter gearbeitet, doch die Firmeneigner hätten keine Wahl gehabt. „Hätten sie sich geweigert, wären sie auch ins KZ gekommen", sagte Hoffmann. Auch wenn es Arbeiter aus anderen Ländern waren, behandelt wurden sie nach Auffassung von Hoffmann genauso wie jeder andere Arbeiter auch. Nach der Entlassung im Jahr 1948 kam der Meyer-Nachfahre nur bis Fischbeck und rief bei den Hoffmanns in Tangermünde an. „Komm bloß nicht hier her, hat mein Vater zu ihm gesagt", erzählte Klaus Hoffmann. Friedrich-Theodor Meyer folgte diesem Rat und ging nach Hamburg. Dort baute er die Feodora wieder auf. Dass die Marke so bezeichnet werden durfte, ist einem Abkommen mit Kaiser Friedrich III. geschuldet. Seine Enkelin von Sachsen-Meiningen (1879-1945) und Urenkelin von Königin Victoria trug diesen Namen. Mit dem Wiederaufbau wurde zumindest der Name, den die Zuckerraffinerie in Tangermünde hervorgebracht hat, erhalten. Im Jahr 1826 begann die Geschichte des Familienunternehmens mit der Gründung der Zuckersiederei von Friedrich Theodor. Das Unternehmen expandierte und verarbeitete seit 1849 auch Rübenzucker. Im Jahr 1876 wurde eine neue Fabrik erbaut. Fünf Jahre später brannte sie wegen technischer Mängel nieder und wurde schon ein Jahr später wiedereröffnet. Im Jahr 1900 standen 1256 Männer und 354 Frauen in Lohn und Brot. 1903 kam eine Obstkonservenfabrik hinzu und ein Jahr später die bekannte Schokoladenfabrik. Auch wenn es heute keine Fabrik mehr in Tangermünde gibt, die Zuckerraffinerie Tangermünde ist bis heute am Markt tätig und kümmert sich beispielsweise um den Vertrieb von „Fisherman's Friend". Feodora gehört seit sechs Jahren zu Hachez aus Bremen.
Foto: Dirk Andres
Sigrid Brückner blättert mit Klaus und Ursula Hoffmann
in dem Buch
„Antiquitates
Tangermundenses".
Ingrid Berger holte zehn Jahre lang Maler,
Fotografen und andere Künstler in die Stadt, Grete Minde wurde zu
ihrem größten Projekt Ein Jahrzehnt im Ehrenamt für die Kunst Zehn Jahre leitete Ingrid Berger den
Museumsverein Tangermünde. Ein Jahrzehnt hat sie Künstler aus allen
Teilen Deutschlands mit der Stadt und die Stadt mit ihnen vertraut
gemacht. Ihrer Vorliebe für die Kunst hat sie damit ein Gesicht
gegeben, hat die Stadt bereichert und dazu beigetragen, dass viele,
die noch nie zuvor von ihr gehört oder gelesen hatten, das Kleinod
an der Elbe für sich entdeckten. Von Anke Hoffmeister
Tangermünde. Maler, Grafiker,
Fotografen, Textilgestalter haben in den vergangenen zehn Jahren
Tangermünde für sich erobert. „Schuld" daran war recht oft Ingrid
Berger. Als Leiterin des Museumsvereins hatte sie es sich auf die
Fahnen geschrieben, ihre Heimatstadt mit Kunst zu beleben. Und das
ist ihr rückblickend überaus gut gelungen. „Die Bürger und Gäste
sollten ein Ziel haben", beschreibt die Seniorin heute ihre Idee,
mit der sie Ende der 1990er Jahre die Fäden im Verein in ihre Hände
genommen hatte. Künstler und mit ihnen deren Freunde und Bekannte
sollten ihrer Meinung nach Tangermünde kennenlernen. Die Elbestädter
selbst durften mit Werken verschiedener Kunstrichtungen
Bekanntschaft schließen. „Was Gerhard Faller-Walzer macht, das mag
ich" Dass die Tangermünderin dabei nicht immer bei all ihren
Mitmenschen auf Jubelrufe stieß, ist ihr bewusst. „Bei dem einen
oder anderen Künstler haben sie schon die Arme hochgerissen. Doch da
mussten sie durch", erzählt Ingrid Berger. benachbarten Wust. „Was er macht, das mag
ich gern", sagt sie ohne zu zögern. Deshalb sei sie im Sommer auch
oft Gast im Dorf und schaue sich Ausstellungen im Speicher an. Ihr Blick fällt auf weitere Künstlernamen. „Damals hatten wir
eine Fotografin hier, die hat einem die Hölle heiß gemacht", beginnt
die Tangermünderin zu plaudern. Es sind eben nicht alle monatlich
wechselnden Ausstellungen in der Salzkirche mit guten Erinnerungen
verbunden. Seit dem Jahre 2000 belebt der Museumsverein die in den
1990er Jahren sanierte Salzkirche mit Kunst und Kultur. Irgendwann
hatte Ingrid Berger in der Stadtverwaltung gefragt, ob es möglich
wäre. Seitdem ist das nach den Worten der ehemaligen Vereinsvorsitzenden der Kunst-
und Kulturtempel der Stadt. Ihr Verdienst war es, dass oft bis zu zwei Jahre im Voraus die
Ausstellungstermine vergeben waren. „ „Eine solche Aktion würde ich nie wieder
machen" Großen Verdienst hat Ingrid Berger um die
Figur der Grete Minde. „Ich kann nicht verstehen, dass es 400 Jahre
gedauert hat, bis man ihr endlich ein Denkmal gesetzt hat", bemerkt
sie kopfschüttelnd. „Allerdings würde ich eine solche Aktion auch
kein zweites Mal machen wollen." Jahre der Sponsorensuche, des
Bittstellens liegen hinter ihr. Über das Ergebnis ist sie sichtlich
erfreut. Zur Arbeit des Künstlers sagt sie: „Es ist schön, dass Lutz
Gaede so eine natürliche Figur geschaffen hat." Heute ist die 73-Jährige nach wie vor Vereinsmitglied. Doch um
Ausstellungen und andere Dinge kümmert sie sich nicht mehr.
Stattdessen taucht sie selbst ein in die Welt der Malerei - einmal
in der Woche bei einem Malkurs mit Michael Student in den Räumen der
Arbeiterwohlfahrt.
Vor einem Jahr, am Sonntag, 20. März, lüftete Ingrid Berger
das Geheimnis und gab den Blick frei auf das Denkmal der Grete
Minde - eine Figur, um die sie mit dem Verein lange gekämpft
hatte. Foto: Hoffmeister 05.09.2009 St. Stephansgemeinde verkauft Immobilie in der
Schlossfreiheit und will künftig das Christophorushaus nutzen Gemeindehaus der Kirche wird
jetzt zur Dependance des Schloss-Hotels Das Gemeindehaus der evangelischen
Kirchengemeinde St. Stephan in der Schlossfreiheit 2 ist verkauft.
Seit dem 1. September ist es nicht mehr Teil des Kirchenvermögens.
Melanie Busse, Inhaberin des Hotels Schloss Tangermünde,
hat es erworben und wird es in den nächsten
Monaten nach ihren Plänen um- und ausbauen. Von Anke
Hoffmeister
Tangermünde
Eine Ära geht zu Ende", sagt
Pfarrer Jürgen Weinert. Er meint damit die Zeit, in der die
evangelische Kirchengemeinde der Stadt das Haus in der
Schlossfreiheit 2 für ihre Zwecke nutzte. Viele Jahrzehnte diente es
den Christen als Ort, an dem im Winter Gottesdienste gefeiert
wurden, an dem Chor- und Kantoreiproben stattfanden, sich der
Bibel-, Frauengesprächs- und Frauenhilfskreis trafen, die Junge
Gemeinde regelmäßig zusammenkam. Konfirmanden wurden hier
unterrichtet. Christenlehre fand in diesem Haus statt.
Max Eggert verkaufte den Gasthof
(li) an die Kirche, jetzt hat das
Haus wieder seinen Besitzer gewechselt. Fotos (2): privat 05.09.2009 Pünktlich zum Burgfest Ersttagsbrief zu 1000 Jahre
Tangermünde Tangermünde (aho). Die Festwoche
anlässlich des 1000-jährigen Bestehens der Burg Tangermünde beginnt
diesen Sonntag mit dem Eröffnungskonzert „Classic meets Pop" ab 17
Uhr am Bleichenberg. Pünktlich zum Burgfest eine Woche später ist
jetzt ein Ersttagsbrief erschienen. Auf Anregung der Biberpost hat
ihn die Kreissparkasse Stendal entworfen. Die Bilder dafür lieferte
der Tangermünder Fotograf Sören Hoffmeister. Auf dem Ersttagsbrief
ist eine Panorama-Ansicht der mittelalterlichen Stadt von der
Elbseite aus abgebildet. Der Ersttagsbrief wurde in einer Auflage
von 800 Stück gefertigt. Verkauft werden diese am 12. und 13.
September vor der Tangermünder Sparkasse. Zu haben ist die
Sonderausgabe für 2,50 Euro. Wer einen Ersttagsbrief erwirbt,
bekommt ihn abgestempelt. Eine Biberpostmarke mit dem Rathaus-Motiv
ist zudem für 45 Cent erhältlich.
So sieht er aus, der Ersttagsbrief zur
1000-Jahr-Feier der Tangermünder Burg. Biberpost und die
Kreissparkasse Stendal haben ihn entworfen und mit Motiven des
Tangermünder Fotografen Sören Hoffmeister gestaltet. Foto:
Volksstimme 1000 Jahre Tangermünde 1933 und heute Fundierte Festschrift kontra Heimatbuch Anlässlich der 1000-Jahr-Feier hat Tangermünde zu
Beginn des Jahres eine Festschrift herausgegeben. Dieses Werk gibt
einen umfassenden und informativen Einblick in das vergangene
Jahrtausend der Stadt. Doch schon einmal, nämlich 1933, wurde hier
das 1000-Jährige gefeiert, gibt es auch aus dieser Zeit ein Buch. Es
nennt sich „Heimatbuch zur Tausendjahrfeier", herausgegeben vom
Magistrat der Stadt. Von Anke Hoffmeister Tangermünde Ein Gemälde von Clara Zahn, das Tangermünde um 1910 zeigt, bildet
den Umschlag der Festschrift zum 1000-Jährigen der Burg Tangermünde,
herausgegeben von der Stadt Tangermünde, erarbeitet von Museen- und
Archivleiterin Sigrid Brückner. Viele Monate im Voraus hatte Dass sich der Aufwand gelohnt hat, ist
heute, acht Monate nach Herausgabe, sichtbar. Die
102 Jahre erfülltes Leben Hermann Zwinger ist am Sonntag verstorben Tangermünde
(aho).
Hermann Zwinger, der älteste Tangermünder, ist am Sonntag im Alter
von 102 Jahren verstorben. Er saß auf seinem Sofa, war dort
friedlich eingeschlafen.
Seit 31 Jahren lebte Familie Gromeyer mit ihm unter
einem Dach. „Er war wie unser Opa", sagt Udo Gromeyer. Doch im
Prinzip führte der kleine Mann bis zuletzt ein selbständiges Leben
in seiner Wohnung unterm Dach. Das war sein Reich, in dem er seit
vielen Jahrzehnten Bilder gemalt hatte, in dem er wohnte und den
Lebensabend genoss. Hermann Zwinger war kein Stubenhocker. Bis
vor wenigen Jahren besuchte er regelmäßig die Nachmittage der
Volkssolidarität, ging mit auf Reisen. Im vergangenen Jahr saß er
sogar zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Zirkuselefanten. Bei
bester Laune und immer zu Scherzen aufgelegt hatte der 102-Jährige
Ende März Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz zu seinem Geburtstag
empfangen. Für Zwinger immer ein willkommener Anlass, um seine
Bilder aus der Kammer zu holen und den Gästen zu zeigen. Viele
Tangermünder Motive hatte er mit Pinsel und Farbe \ auf Karton
verewigt. „Es kann auch mal 'ne nackte Frau sein", sagte er noch im
März mit einem schelmischen Lächeln. Im Januar war Hermann Zwinger Ehrengast
beim Neujahrsempfang der Stadt gewesen. Dort hatte er sich unter
anderem mit Wirtschaftsminister Haseloff unterhalten. Nicht nur Familie Gromeyer wird ihren „Opa"
vermissen. In jüngster Vergangenheit war Zwinger auch für die jungen
Stadtführer ein wichtiger Partner geworden, hatte aus dem alten Tangermünde und über seine Kriegserlebnisse
berichtet. An ihrem 390. Todestag setzt Tangermünde der Frau ein Denkmal,
die für den Stadtbrand 1617 verantwortlich gemacht wurde Lutz Gaede gibt Grete Minde ein Gesicht
Sie schreiten zur Tat und enthüllen
Grete Minde:(v.r.) Dr. Rudolf Opitz, Künstler Lutz Gaede und Ingrid
Berger
Jahrhunderte schuldig D Große Nachfrage nach Tangermünde-Buch Tausend Jahre auf 500 Seiten Über zwei Jahre arbeitete Sigrid Brückner an den Buch
„Tangermünde: 1000 Jahre Geschichte". Pünktlich zum Beginn des
Jubiläumsjahres war es fertig und ist seit dem 4. Januar im Handel
zu erwerben. Seitdem sind schon 1200 Bücher an den Mann
beziehungsweise die Frau gebracht worden. Von Sebastian Siebert Tangermünde.
Erntete viel Lob für ihre zweijährige Arbeit:
Sigrid Brückner Foto: ssi Bestellung über: Stadt Tangermünde – Stadtarchiv Tel: 039322 - 4 21 50, Fax: 039322 - 4
21 51 Email: info@tangermuende1000.de 03. Januar 2009 Sondermarke 1000 Jahre
Tangermünde Ansturm im alten Rathaus auf die Ersttagsbriefe reißt
nicht ab Mit einer Sonderbriefmarke würdigt die Deutsche Post
das 1000-jährige Jubiläum der Burg Tangermünde. Gestern war ihr erster
Erscheinungstag. Die Resonanz auf die Marke und den dazugehörigen
Ersttagsbrief mit Sonderstempel war enorm. Von Rudi-Michael Wienecke Tangermünde. Als gestern pünktlich um 9 Uhr die
Mitarbeiter des mobilen Postamtes im historischen Tangermünder Rathaus
ihren Schalter öffneten, reichte die Schlange der Wartenden bereits bis
in den Vorraum. Noch in den Mittagsstunden dauerte das Gedränge an.
Innerhalb weniger Stunden wurden mit dem Sonderstempel bereits tausend
Ersttagsbriefe geprägt. Dass es den Sonderstempel, er kam nur gestern
zum Einsatz, überhaupt gibt, ist den Mitgliedern des
Philatelistenvereins „Stendaler Roland" um den Vorsitzenden Helge
Schinkel zu verdanken. Sie bemühten sich wochenlang um die alles andere
als einfache und kostengünstige Genehmigung. Auch der dazugehörige
Sonderumschlag, der die Ausstattung eines Ersttagsbriefes komplettiert,
wurde von den Mitgliedern des Philatelistenvereins der Kreisstadt
aufgelegt. „Wir taten das gern", so Schinkel. Schließlich gebe es in
Tangermünde keinen Zusammenschluss dieser Art und die Sammler dieser
Stadt seien Mitglieder im Verein „Stendaler Roland".
Einer der ersten Besitzer des Ersttagsbriefes war
Dietrich Ecklebe. Für den Vorsitzenden des Landesverbandes der
Philatelisten Sachsen-Anhalt steht fest: Die Marke mit der Tangermünder
Burg und der Elbeniederung als Motiv „ist nicht nur gelungen, sie ist
exquisit. " Ecklebe bescheinigt dem Werk durchaus gute Chancen innerhalb
eines Bundeswettbewerbs um die schönste Marke Deutschlands. Nach Angaben
von Ecklebe wird diese Marke acht Millionen Mal aufgelegt. „Eine bessere
Werbung gibt es nicht für Tangermünde", verspricht er. Schließlich
werden Briefe weltweit verschickt und so wird in den kommenden Wochen
und Monaten das kleine Städtchen mit der 1000-jährigen Burg inmitten der
Elbeniederung auch weltweit bekannt.
Eine Erinnerung an das
Stadtjubiläum
Die nationale
Briefmarkenszene gab sich dagegen bereits gestern im Tangermünder
Rathaus die Klinke in die Hand. Schinkel und Ecklebe begrüßten unter
anderem Sammlerfreunde aus Magdeburg, dem Harz, Hamburg und Hildesheim.
Dass die eingefleischten Sammler allerdings gestern die Masse der
Interessenten vor dem Schalter des Sonderpostamtes stellte, bezweifelt
der Philatelist. Viele Tagestouristen und vor allem Einheimische hätten
die Gunst der Stunde genutzt, schätz er ein. Für sie sei der
Ersttagsbrief eben eine schöne Erinnerung an das Stadtjubiläum. Denn wer
sich gestern nur aus rein spekulativen Gründen in die Schlange der
Wartenden einreihte, habe schlechte Karten. Einen großen Wertzuwachs
prophezeit Ecklebe dem Ersttagsbrief derzeit nicht. „Das Sammeln von
Briefmarken ist ein Hobby an dem man sich erfreut und das bildet. Geld
verdienen kann man - wie im Falle anderer Hobbys eben auch - damit
kaum", so der Fachmann.

Gasthof bis 1931
Die Ära der Kirche im Haus Schlossfreiheit 2 begann im Jahre 1931.
Am 18. Mai jenen Jahres unterzeichneten im Auftrag der
Kirchengemeinde St. Stephan Superintendent Paul Kegel, Landwirt Otto
Sprecher und Ernst Hohenstein vor dem Notar Dr. Walter einen
Kaufvertrag mit Gastwirt Max Eggert. Dieser hatte das Haus bis zu
jenem Zeitpunkt als „Gasthof zur Königin Luise" betrieben. Für 42
000 Goldmark (eine Goldmark war zu jenem Zeitpunkt so viel wert wie
ein 2790-stel Kilogramm Gold) kaufte die Kirche das Objekt. Im
Kaufvertrag wurde 1931 unter anderem festgehalten, dass „die
sogenannte Biervergabeordnung der Hansa Brauerei AG Stendal nicht
von der Käuferin übernommen wird, auch nicht hinsichtlich der
alkoholfreien Getränke". Den Namen der Königin Luise trug die
Gastwirtschaft, weil die Königin im Jahre 1806 nach der verlorenen
Schlacht bei Jena und Auerstedt auf der Flucht war und am 17.
Oktober 1806 in genau diesem Haus übernachtet hatte. Noch heute
erinnert eine Tafel an der Fassade des Hauses an dieses Ereignis.
Der Entschluss zum Verkauf dieses Hauses wurde in der Tangermünder
Kirchengemeinde bereits vor Jahren gefasst. Der Grund war eine
Auflage des Kirchenkreises, in der die Gemeinde dazu aufgefordert
wurde, sich von einer Immobilie zu trennen. Da lag es nahe, sich vom
Gemeindehaus in der Schlossfreiheit zu verabschieden. Denn das
gegebene Gebäudeensemble auf dem Pfarrhof bietet im Prinzip alles,
was die Christen der Stadt brauchen, um effektiv arbeiten zu können
- Kirche, Pfarrhaus und Christophorushaus. Wobei sich das zuletzt
Genannte in einem sehr maroden Zustand befindet. 1609 wird das
Christophorushaus -erstmals in den Archiven der Stadt erwähnt. Es
wurde als Stadtschule gebaut. Bis 1938 fand darin Unterricht statt -
im 17. Jahrhundert für Gelehrte, im 18. und 19. Jahrhundert für
Stadtbürger, zuletzt nur noch für Christenlehreschüler. Den Namen
Christophorus erhielt es erst 1950/1951.
Pfarrhof wird Zentrum
Nach den Vorstellungen des Gemeindekirchenrates soll dieses
Haus künftig als Gemeindezentrum dienen. Pläne zum Um- und Ausbau
gibt es bereits. Sie wurden von Studenten öffentlich vorgestellt.
Wann mit der Umsetzung des Projektes begonnen wird, steht noch nicht
fest. Deshalb muss die Gemeinde eine Zwischenlösung finden, eine
Lösung, die den Gottesdienstbesuchern im Winter Platz bietet, den
Kreisen und Gruppen Raum gibt. Dazu werden Gespräche mit der Stadt
geführt. Eine Idee der Christen geht dahin, die Salzkirche im Winter
für Gottesdienste zu nutzen. Der Stadtrat muss dem zustimmen. Zum 1.
September haben die Umbauarbeiten in der Schlossfreiheit 2 begonnen.
Melanie Busse gibt lediglich die Auskunft, das Haus künftig für
Hotelzwecke nutzen zu wollen. Im Brief der St. Stephansgemeinde ist
zu lesen, dass hier ein Tagungszentrum geschaffen werden soll.



Von Anke Hoffmeister Tangermünde.
Grete Minde hat ein Gesicht
bekommen. „400Jahre hat es gedauert", sagt Ingrid Berger. Die
Vorsitzende des Museumsvereins ist es am Sonntagnachmittag, die die
unter einem braunen Tuch versteckte Bronze-Plastik vor den
Augen hunderter Menschen enthüllt.

7000-Euro-Spende
Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz dankte während seiner Grußworte den vielen Spendern, die die Umsetzung der Idee einer Grete-Minde-Plastik möglich gemacht hatten. Mehr als 20 000 Euro hat sie gekostet. Zuletzt hatte sich die Stadt bereit erklärt, die noch fehlende Summe aus dem Haushalt dazuzugeben. Seit gestern sind es 7000 Euro
weniger. Ingo Freidel von der Volksbank Stendal überbrachte dem Bürgermeister einen Zuwendungsbescheid von der Stiftung der Volksbanken und
Raiffeisenbanken in Norddeutschland über diesen Beitrag.

Arneburger Straße 94, 39590 Tangermünde
