Rundgang durch die Altstadt

Am bekanntesten Punkt
unserer Stadt, das Rathaus mit seinem Marktplatz,
möchte ich meinen Rundgang
durch die Altstadt beginnen.
Die schönste Rathausseite zeigt nach Osten, wo man auf eine prächtige 24 m hohe Schauwand von 1430 blickt. Die Wand ist durch vier Strebepfeiler gegliedert, die oben im Giebel in drei filigrane Spitzen endet, jede Spitze wiederum ist mit 3 durchbrochenen Rosetten bestückt. Glasierte Backsteine laufen quer über die tiefrote Backsteinwand, die an den Pfeilern durch weiße Putzflächen unterbrochen wird.
Das Rathaus entstand zur
wirtschaftlichen starken Zeit im 15. Jh., als die Stadt zum Städtebund der Hanse
gehörte. Hier wird einem deutlich der damalige Reichtum des städtischen
Patriziats
und die politische Macht der Ratsgeschlechter präsentiert.
Im Mittelalter hatte das
Rathaus mehrere Aufgaben zu erfüllen. Im Erdgeschoss des Ostflügels befand sich
eine Kaufhalle der Großkaufleute, die sich im 13. Jh. zu Gilden bildeten.
Später, im 16. Jh. wurde sie nicht mehr benötigt und man trennte durch ein
Tonnengewölbe den Raum ab, so dass man einen Keller erhielt. Das hat der
Schönheit des Raumes aber nicht geschadet. Von einem achteckigen Mittelpfeiler
gehen die Rippen des Deckengewölbes in runden Bögen aus
und ergeben so einen
sechsstrahligen Stern.
Heute ist hier - und im
darunter liegenden Keller - das Heimatmuseum untergebracht. Neben einem Modell
der mittelalterlichen Stadt innerhalb der stadtgeschichtlichen Ausstellung gibt
es auch etwas über die
Elbschifffahrt und frühgeschichtliche Funde zu sehen.
Im Obergeschoss, erreichbar über eine große Freitreppe mit Laubengang und Achteckturm, ist der Ratssaal zu sehen, der schon damals als Festsaal diente. Er zählt zu den schönsten spätmittelalterlichen Innenräumen der Profanbaukunst in Norddeutschland. Vom achteckigen Mittelpfeiler aus gehen 20 Gewölberippen, die sich in einem Sterngewölbe verlieren. An den Wandpfeiler gibt es Formsteine, die von den Ziegelmeistern sozusagen als Visitenkarte hinterlassen wurden.
Weiterhin gibt es noch eine Ratsstube im Obergeschoss, die über der Gerichtslaube liegt. Hier tagte das Marktgericht, um für Ruhe und Ordnung während eines Marktes zu sorgen.
In diesem
Rathaus gibt es ein Trauzimmer, welches durch die Treppe erreicht wird
und gibt
somit eine wunderbare Kulisse für eine romantische Hochzeit.

Grete Minde, die einst in der Stadt lebte, für den
großen Stadtbrand von1617 verantwortlich gemacht und dafür verbrannt wurde,
ist am 22.
März 2009, ihrem 390. Todestag, ein lebensgroßes Denkmal gesetzt worden.
Nach einem Rundgang um das Rathaus und Betrachtung des im Pflaster eingearbeiteten Wappen der Stadt, welches durch den Tangermünder Steinsetzmeister Willy Musial geschaffen und durch die Firma Lüdecke restauriert wurde,

wenden wir uns der Langen
Straße zu und gehen in Richtung Neustädter Tor.
Hier
sehen wir an den Straßenseiten sehr gut erhaltene und aufwendig restaurierte
Fachwerkhäuser.

Kunsthaus "Der Giebel" Hotel und Gaststätte "Am Rathaus"

Das Tangermünder Postamt, welches rechtsseitig steht, wurde 1886 in einem der Gotik nachempfundenen Stil errichtet und ist jetzt ein Ostprodukte-Shop. Die sich linksseitig befindende Gaststätte "Zur Post" war früher mal eine Ausspanne.



Unmittelbar am Neustädter Tor steht die ehemalige Pfarrkirche St. Nikolaus. Der heilige Nikolaus ist der Schutzpatron der reisenden Kaufleute und Schiffer gewesen. Die Kirche entstand wohl um 1200 und ist ein Feldsteinbau, der im Laufe der Jahrhunderte manche Veränderung erfuhr.
Schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts
ist die Kirche profanisiert. Sie diente als Krankenhaus, als Wach- und
Arrestlokal der einstigen Tangermünder Garnison, als Polizeigefängnis und als
Wohnung.
1856 baute man den Chorraum zu einem Spritzenhaus der Feuerwehr um, was
noch zu erkennen ist.
Jetzt befindet sich eine Gaststätte in den Räumen der ehemaligen Kirche.

Das Neustädter Tor,
früher auch Klaustor oder Stendaler Tor genannt, gehört zu den schönsten
mittelalterlichen Toranlagen des norddeutschen Raumes.
1897 wurden in den
Putzblenden über der Tordurchfahrt Wappen aufgemalt.
Im unteren Bild von links gesehen:
Preußischer Königsadler
Reichsadler des Bismarckreiches mit dem aufgelegten Hohenzollernschild
Tangermünder Adler
Adler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
Brandenburgischer Adler


Vom Neustädter Tor aus, erkennt man auch den Schrotturm, den westlichen Eckturm der Tangermünder Stadtbefestigung. Dieser Wehrturm war im Mittelalter nur halb so hoch wie heute. 1825 ließ ein Tangermünder Kaufmann ihn auf eine Höhe von etwa 47 Metern bringen, um dann im Jahr darauf, darin eine Schrotgießerei einzurichten, die bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb war.